(PC Pr@xis / Sonderheft Internet Intern 02/2004)

Attraktiv und funktional
So finden Sie die passende Design-Lösung

Sie haben schon eine Website und sind mit der Gestaltung unzufrieden? Sie wollen Ihre neue Präsenz gleich von Anfang an "optisch" ins rechte Licht rücken? Egal, ob Relaunch oder Neuproduktion: Wir geben Ihnen Hinweise zur Gestaltung und verraten Ihnen, wie Sie das für Sie passende Site-Design finden.

Nicht nur die private Homepage sieht oft "allzu privat" aus. Auch in vielen kleinen und mittelständischen Firmen gibt es "den Kollegen", der nebenbei die Homepage "bastelt". Die Ergebnisse reichen vom eingescannten Firmenprospekt über die "Baukasten-Seite" bis hin zum "Musterweb" im FrontPage-Einheitslook. Wer hat Ihre Internetseiten erstellt?

Webworker und Webdesigner

Um ganz offen zu sein: Nicht jeder, der HTML beherrscht oder einen Webeditor bedienen kann, ist ein guter Webdesigner. Auch Kenntnisse in CSS, XML, JavaScript, Flash, ActionScript, ASP, Perl, PHP oder MySQL führen nicht automatisch zur ansprechend und benutzerfreundlich gestalteten Website. Auch engagierte Webworker und gestandene Webmaster nehmen immer häufiger die Hilfe von Gestaltungsprofis in Anspruch.

Aber auch das Umgekehrte ist wahr: Viele Webdesigner versuchen, ihre langjährigen Erfahrungen aus dem Printbereich 1:1 bei der Gestaltung von Webseiten umzusetzen. Dieser Ansatz führt oft in die Sackgasse, das beweisen die vielen "überdesignten", aber leider oft wenig benutzerfreundlich und Webgerecht gestalteten Sites. Wie viel Design brauchen Sie für Ihre Präsenz? Und wie finden Sie die passende Gestalterin bzw. den passenden Gestalter für Ihre Präsenz? Wir haben uns für Sie im Internet umgesehen und wollen Experten zu Wort kommen lassen.

Verabredung oder Heirat?

Der Usability- und Webdesign-Guru Vincent Flanders, bekannt geworden durch "Webpagesthatsuck.com", nennt zwei Typen von Webseiten. Da wären die, mit denen man "ein Date hat", und die, "die man heiratet". Zur ersten Gattung zählt er verrückt und peppig designte, kurzlebige Sites der Medienbranche, zum Beispiel für das Musik-, Kunst- oder Filmgeschäft.

Wenn Sie eine solche Seite planen, werden Sie sicher gerne Flash- oder DHTML-Effekte in Ihre Präsenz einbinden. Das wirkt besonders unter jugendlichen Zielgruppen "trendy" und ist meist nicht für die Ewigkeit gemacht. "Heiraten" würden Ihre Besucher eine solche Seite wohl eher nicht, um mit Flanders zu sprechen.

Als Beispiel für diese zweite, auf langjährige Partnerschaft ausgerichtete Kategorie nennt der Experte Yahoo. Sie können aber gerne auch eBay, Amazon, das World Wide Web Consortium (w3.org) oder die meisten anderen "langlebigen" Sites hier einsetzen. Es sind Seiten, bei denen das Design im Laufe der Jahre nur vorsichtig verändert und angepasst wurde. Derartig gestaltete Seiten strahlen Seriosität und Beständigkeit aus. Bei eBay oder Yahoo sind Hyperlinks immer noch blau und unterstrichen, besuchte Links erscheinen dagegen lila - ganz wie in den Urzeiten des Webs. Acuh wenn Sie eBay-Screenshots von heute und von vor drei Jahren vergleichen, ist die Ähnlichkeit immer noch frappierend.

Wir gehen im Folgenden davon aus, dass auch Sie eine Site erstellen möchten, "die man heiratet". Das spart auch Geld. Sie planen die Gestaltung für längere Zeit, ohne Ihre Besucher alle paar Monate mit neuen, bald abgegriffenen Effekten "fesseln zu müssen".

Statische HTML-Seiten

Doch ehe Sie sich Gedanken um das Design machen, sollten Sie zuerst wissen, was Sie wollen. Handeslt es sich bei Ihrer Präsenz um eine einfache Selbstdarstellung? Wollen Sie sich, Ihre Firma oder Ihre Hobbys präsentieren, vielleicht die Öffnungszeiten, ein paar News und eine schnelle Kontaktmöglichkeit bieten? Die Aktualisierungen halten sich in Grenzen? Dann genügen mit Sicherheit ein paar statische HTML-Seiten. Hier macht Ihnen bestimmt jeder Webdesigner freudig das passende Angebot und bildet Ihre Corporate Identity stilvoll im Web ab. Viele Designer sind auch gerne bereit, Ihre vorhandene Präsenz umzugestalten.

CMS und Redaktionssystem

Das Gegenteil ist der Fall? Bei Ihnen geht es vorrangig um Inhalte, die von mehreren Mitarbeitern eingestllt, gepflegt und ständig aktualisiert werden müssen? Oder gar um einen Onlineshop? Dann stoßen Webs aus statischen HTML-Seiten schnell an ihre Grenzen. Um diese "Flut an Informationen" effektiv bändigen zu können, benötigen Sie ein Content-Management- (CMS) bzw. Redaktionssystem. Vergeben Sie die passenden Berechtigungen. So können selbst Mitarbeiter ohne HTML-Kenntnisse bequem "ihren Bereich" pflegen und aktualisieren. Die Kommunikation mit der Präsenz erfolgt in der Regel bequem über ein Web-Interface. Das Layout wird durch eine Vorlage (Template) gesteuert.

Solche CMS-Systeme gibt es wie Sand am Meer und unsere Zeitschrift stellt regelmäßig ausgewählte Produkte aus diesem Bereich vor. Einmal eingerichtet, sparen derartige meist auf Datenbanken basierende Lösungen (MySQL) auf Dauer Zeit und Kosten. Doch egal, ob Sie sich für ein kostenlos verfügbares Open-Source-System oder eine maßgeschneiderte Kauflösung entscheiden - unterschätzen Sie nicht den enormen (auch finanziellen) Aufwand, der allein für Planung, Installation und Einrichtung solch eines Systems benötigt wird.

Der Verfasser dieses Beitrags entwickelt eine maßgeschneiderte Lösung für ein Medienunternehmen und erlebt, dass von der Planung bis zur erfolgreich abgeschlossenen Testphase Monate vergehen können.

One-Man-Show oder Agentur

Welche Aufgabe der Webdesigner hier erfüllen soll, müssen Sie bestimmen. Mit der Einrichtung solcher Systeme sind manche Einzelkämpfer schlicht überfordert. Hier könnte eine Agentur von Vorteil sein, da Sie "alles aus einer Hand" bekommen. Andererseits gibt es viele Webdesigner, die gerade auf CMS spezialisiert sind und mit Partnerfirmen zusammenarbeiten, Sie sind fint am PC und im Web? Dann können Sie solch ein Content Management System auch selbst installieren und lediglich die Template-Struktur (Vorlage) gestalten lassen. Gerade bei solchen "Datenbanklösungen" werden hohe Anforderungen an Ihren Webdienstleister gestellt; eine einfache "Web-Viesitenkarte" reicht nicht aus. Sie benötigen einen schnellen Webserver mit Datenbankunterstützung. Bei großem Besucheransturm empfiehlt sich sogar ein eigener, dedizierter Webserver. Es ist wichtig, dass Sie alle diese Dinge im Vorfeld klären, damit der Auftrag später klar umrissen werden kann.

Den passenden Designer finden

Sie wissen genau, was Sie wollen? Dann suchen Sie sich den passenden Designer aus. Ob Sie da Layoutstudio aus dem Nachbarort oder einen Designer aus einer anderen Region beauftragen, bleibt Ihnen überlassen: Das Web kennt keine Grenzen. Doch wie finden Sie Gestalter? Eine von vielen Suchmöglichkeiten haben wir auf der Webpräsenz der "Allianz deutscher Designer" gefunden, dem Serviceverband für selbständige Designer. Surfen Sie zu www.agd.de und gehen Sie in den Bereich "Mitglieder". Klicken Sie auf den Link "Spezialisten-Suche" und stellen Sie bei Spezialgebiet "Internet und elektronische Publikationen" ein. Die kleine, aber feine Auswahl bietet 350 handverlesene Spezialisten im gesamten Bundesgebiet an. Wählen Sie Ihre Region aus.

An den Referenzen messen

Es handelt sich allerdings häufig um Designer, mit deren Sites Ihre Besucher bestenfalls "ein Date" haben werden. Oft sind es gestandene Grafiker aus dem Printbereich, die Webdesign mit ins Portfolio genommen haben. Prüfen Sie anhand der Referenzen, ob "Ihr" Designer auch webgerecht gestaltet. Tipps dazu bieten wir Ihnen im Kasten "Fühlen Sie Ihrem Designer auf den Zahn".

Bemühen Sie als Alternative eine Suchmaschine und geben Sie z.B. das Stichwort "webdesign" zusammen mit dem Namen Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises ein. Ansonsten hilft auch das Surfen im Web. Wenn Ihnen eine Seite besonders zusagt, schauen Sie einfach ins Impressum. Oft verbirgt sich hier auch die Adresse des Gestalters. Ansonsten scheuen Sie sich nicht, den Sitebetreiber anzuschreiben. Nicht zuletzt gilt der Grundsatz: Ihr Geschmack entscheidet! Die Webdesignerin Alexandra Lück aus Regensburg bringt es auf den Punkt: "Ein guter Designer versucht, die Individualität eines jeden Kunden im Web herauszustreichen." Sie betont, dass das "ein Vertrauensverhältnis" voraussetzt. Die Referenziste von Alexandra Lück finden Sie unter www.alexandra-lueck.de.

Garten Eden im Web

Eins ihrer umfangreichsten und ältesten Projekte verbirgt sich hinter der Präsenz www.dryfruit.de. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, doch Dryfruit.de wirkt schon auf den ersten Blick gediegen. Dafür sorgt nicht zuletzt die harmonische Farbgebung in gedeckten Brauntönen. Das Panoramafoto am Kopf der Seite vermittelt ein Gefühl von Weite.

Der Betreiber vermarktet Trockenfrüchte aus kontrolliert biologischem Anbau & Wildwuchs, und das offenbar schon seit Jahren mit Erfolg: Die Seite ist seit 1996 im Web, ein Beweis für Beständigkeit. Die derzeitige Gestaltung hat sich bewährt, daher wurden zuletzt auch Onlineshop und Forum geschickt in das vorhandene Design eingepasst. Die Texte hat die Designerin farblich an die Präsenz angepasst und in kurze Absätze mit Zwischenüberschriften untergliedert. Das erhöht die Lesbarkeit, denn "öde Bleiwüsten" haben im Web keine Chance. Die Inhalte sind sympathisch geschrieben und aktuell. Das unterstreicht den guten Eindruck, den schon das Design hinterlässt. Unterschätzen Sie diesen Punkt keinesfalls: Für ein stimmiges Gesamtbild sollten Inhalt und Gestaltung eine Einheit bilden.

Kurz: es handelt sich um eine ansprechend gemachte Seite, die die Besucher "mit gutem Gewissen heiraten".

Kinderwunsch Regensburg

Auch ihre anderen Referenz-Projekte beweisen: Frau Lück versteht es, ansprechendes Layout und webgerechte Gestaltung harmonisch miteinander zu verbinden. Nicht umsonst wurde zum Beispiel ihr Projekt www.kinderwunsch-regensburg.de in die Top Ten von Deutschlands besten Praxis-Websites gewählt. Ausgeschrieben hatte den Wettbewerb die Medical Tribune in Zusammenarbeit mit Novartis.

Da die sympathische Designerin auch Vorträge über Website-Gestaltung hält, haben wir Frau Lück um einen Gastkommentar für diesen Beitrag gebeten. Lesen Sie ihre "Regeln für eine ansprechende Homepage" in nebenstehendem Kasten.

Barrierefreies Webdesign

Einen immer größeren Stellenwert gewinnt der Punkt "Barrierefreies Webdesign". Dahinter verbirgt sich die Kunst, Webseiten so zu gestalten, dass jeder sie lesen kann. Die entsprechenden Kriterien und Richtlinien finden Sie z.B. in der Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengesetz vom Juli 2002. Auch wenn diese Verordnung derzeit nur für Behörden der Bundesverwaltung bindend ist, sollten Sie die Bedeutung auch für Ihre Präsenz nicht unterschätzen.

Es geht nicht nur um Gehörlose oder Blinde: Vor allem die Zahl der sehbehinderten Surfer wird immer größer, denken Sie zum Beispiel an die wachsende Zahl von Senioren! Barrieren sind hier zum Beispiel fehlende Beschreibungstexte für Grafiken, kontrastarme Farbgebung, schlecht bedienbare Navigationselemente usw.

Stefan Rothe, Inhaber von Stero Webservice (www.stero.de), hat sich die Bedürfnisse von Senioren und Menschen mit Behinderungen zur Gestaltungsmaxime gemacht. Der Hamburger Gestalter meint, dass barrierefreie Präsenzen aufgrund einer leichten Bedienbarkeit einen hohen Nutzwert für alle Besucher haben.

Auch unsere Gastkommentatorin Alexandra Lück betond die Wichtigkeit der "Barrierefreiheit". Frau Lück erarbeitet derzeit ein barrierefreies Projekt für eine Übersetzungsagentur.

Mehr Information zum Thema und eine Checkliste bietet Ihnen Jan Eric Hellbusch unter www.barrierefreies-webdesign.de. Hellbusch ist Mitglied im Fachausschuss für Informations- und Telekommunikationssysteme der Sehbehinderten- und Blindenverbände Deutschlands.

Was kostet Webdesign?

Das ist eine knifflige Frage, doch eins steht fest: Ein gelungener Webauftritt, der zur Corporate Identity der Firma passt, est nciht zum Schnäppchenpreis zu bekommen. Dass viele Firmen das noch nicht verstanden haben, merkt man leider allzu oft in der Praxis. Doch auch das Motto "viel hilft viel" ist kein Erfolgsgarant. Selbst mit einem kleinen Budget können Sie ansprechende Lösungen erzielen. Schließlich wird kein seriöser Webdesigner verlangen, dass sich ein Freiberufler oder Mittelständler mit dünner Finanzdecke mit einem mehrere tausend Euro teuren "Edel-Design" ruiniert.

Wenn Webdesignerin Anke Dassel (www.adapro.de) für eine individuell gestaltete Seite mit Firmenlogo und Grafik 54 Euro netto berechnet, kann das sicher nur als Einstiegsangebot verstanden werden. Für kleine Webs mit mehreren verschiedenen Seiten müssen Sie in der Regel schon einen dreistelligen Euro-Betrag einplanen. Manche Webdesigner geben unverbindliche Pauschalpreise an, andere berechnen nach Aufwand.

Unser Meinung: Reden Sie am besten mit Ihrem Gestalter: Lassen Sie sich ein konkretes Angebot machen. Sprechen Sie über Ihren Finanzrahmen. Je genauer Sie wissen, was Sie wollen und wie viel Sie ausgeben können, desto gezielter kann der Designer auf Ihre Bedürfnisse eingehen.

Fazit

Nicht jeder, der HTML beherrscht, ist gleichzeitig ein begnadeter Designer. Überlegen Sie, ob Sie zumindest die Gestaltung Ihrer Website einem Profi übertragen. Aber auch der passende Webdesigner will gefunden sein, denn viele Gestalter sind immer noch zu sehr den "Print-Medien" verhalftet: Schauen Sie sich die Referenzseiten genau an und überprüfen Sie, ob es sich um webgerecht gestaltete Homepages handelt. Egal, ob mit professioneller Hilfe oder in Handarbeit: Ihre Präsenz sollte nicht allein peppig, sondern vor allem nutzerfreundlich sein

 

Alexandra Lück, Fachkauffrau für Marketingkontakt@alexandra-lueck.deImpressum